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Situation der Flüchtlinge – global und lokal

Vor  ca 50  Zuhörern berichteten Flüchtlingshelfer über ihre Arbeit: Hans Haslberger (Mitte) aus Gauting, der im Verein Orienthelfer e.V. von seiner Arbeit vor Ort in Syrien und im Libanon erzählte, Franziska Sperr (rechts), die beim PEN-Deutschland das Programm „Writers in Exile“ betreut, und Beate Schnorfeil und Elli Unverdross,  die in Wörthsee seit einem Jahr 20 Asylbewerbern aus Nigeria helfen, in der neuen Heimat zurecht zu kommen. Und das ist nicht immer ganz einfach: Vor allem die unverhergesehenen Dinge machen den Ehrenamtlichen zu schaffen: Plötzlich hat jemand unklare Schmerzen, die Heizung funktioniert nicht, die Behördenanweisungen werden nicht verstanden – eigentlich muss man 24 Stunden am Tag abrufbereit sein, so Elli Unverdross, die gemeinsam mit Beate Schnorfeil die Flüchtlingshilfe in Wörthsee organisiert hat. Auf der  Facebook-Seite „Welcome to Wörthsee“ wird über die Arbeit der Helferinnen (es sind überwiegend Frauen) und über die betreuten Familien berichtet.  Die Ehrenamtlichen wünschen sich ein Forum im Netz, wo sie sich schnell landkreisweit austauschen können und so ihre Arbeit erleichtert wird. Die Sachbearbeiterin im Landratsamt, Frau Fröse, will sich dem Vorschlag annehmen. Auch der Gemeinde Berg werden demnächst Asylbewerber zugewiesen. Bürgermeister Monn, der den Ausführungen der Helferinnen aufmerksam folgte, sprach von bis zu 12 Menschen, die ab Mitte Februar nach Berg kommen werden.

Hans Haslberger hat mit dem Verein Orienthelfer e.V. (von dem Kabarettisten Christian Springer 2011 gegründet) schon mehrere Feuerwehrautos und Müllwägen in die syrischen Krisengebiete gebracht. Auch Kleidungstücke, Lebensmittel und Spielsachen transportierte er und die nur 20 Mitglieder des Vereins etwa alle zwei Wochen in die Flüchtlingsgebiete. Er zeigte den Zuhörern Bilder von vollkommenen zerstörten Städten, von riesigen Flüchtlingscamps z.B. im Libanon (der übrigens die allermeisten Flüchtlinge in der Region aufnimmt und kurz vor dem Kollaps steht) und von dramatischen Rettungsaktionen und erzählte von Schikanen, um z.B. Kleidung durch den türkischen Zoll zu bringen. Dort werden regelmäßig Ladungen mit gebrauchten Kleidungsstücken zurückgewiesen.

Als „Luxusproblem“ im Vergleich dazu bezeichnete Franziska Sperr selbst ihre Arbeit. „Writers in Exile“ wird finanziell gut ausgestattet. Derzeit genießen acht politisch verfolgte Schriftsteller in Deutschland das einjährige Stipendium, das ein weiteres Jahr verlängert werden kann. Angesichts der deutschen Vergangenheit, in der zwischen 1933 und 45 viele Literaten im Ausland Asyl fanden, muss es uns ein Anliegen sein, diese Schriftsteller willkommen zu heißen und zu unterstützen. Ein Tropfen auf den heißen Stein, angesichts der Verfolgungen von Schriftstellern und Intellektuellen in Russland, China und v.a. in der Türkei.

CIMG3658 Amer Matar (links) und Yamen Hussein, zwei syrische Stipendiaten von „Writers in Exile“ in München.

 

 

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